Die Kanarischen Inseln erleben an diesem Dienstag einen der angespanntesten Tage der aktuellen Hitzewelle. Hohe Temperaturen, Kalima, starke Winde und schwierige Bedingungen an der Küste betreffen große Teile des Archipels. Die Kombination dieser Faktoren hat dazu geführt, dass die Behörden mehrere Warnungen und Vorwarnungen aktiviert haben und die Bevölkerung zu besonderer Vorsicht aufrufen.
Die Regierung der Kanarischen Inseln hat über die Generaldirektion für Notfälle eine Hitzewellenwarnung für Gran Canaria ausgegeben. Dort könnten die Temperaturen in einigen Gebieten heute auf nahezu 40 °C steigen. Für den Rest des Archipels gilt weiterhin eine Vorwarnung wegen hoher Temperaturen. Gleichzeitig bleibt auf fünf Inseln eine Warnung vor Waldbrandgefahr in Kraft, da die Luft sehr trocken ist und die relative Luftfeuchtigkeit in mehreren Bereichen unter 30 % fallen kann.
Nach Angaben der staatlichen Wetterbehörde Aemet gilt für Gran Canaria an diesem Dienstag, dem 30. Juni 2026, zwischen 11:00 und 19:59 Uhr die Warnstufe Orange. Diese Stufe weist auf ein erhebliches Risiko hin. Gran Canaria ist damit die Insel, die am stärksten von der extremen Hitze betroffen sein wird.
Die höchsten Temperaturen werden in den nach Süden und Westen ausgerichteten Gebieten im Inselinneren erwartet. Auch die südöstliche Küste und das Becken von Tejeda zählen zu den besonders betroffenen Zonen. Dort können die Höchstwerte zwischen 37 °C und 40 °C liegen.
Auch in der Nacht ist kaum mit Erleichterung zu rechnen. Die Aemet geht davon aus, dass die Tiefsttemperaturen in den am stärksten betroffenen Gebieten sehr hoch bleiben und kaum unter 25 °C bis 27 °C sinken werden. Dadurch kann die Hitze besonders belastend werden, vor allem für ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke und Personen ohne ausreichende Abkühlungsmöglichkeiten.
Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro unter gelber Warnstufe

Während Gran Canaria die höchste Hitzewarnung des Archipels verzeichnet, sind auch mehrere andere Inseln betroffen. Für Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro gilt die Warnstufe Gelb. Diese weist auf ein geringeres Risiko hin, erfordert aber dennoch Vorsicht, insbesondere bei Aktivitäten im Freien und für besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen.
Auf Teneriffa können die Temperaturen im Osten, Süden, Westen und im Inselinneren auf bis zu 35 °C steigen. Die Aemet schließt zudem nicht aus, dass auch die Südostküste und der Großraum Santa Cruz/La Laguna von dem Temperaturanstieg betroffen sein könnten.
Auf La Gomera, El Hierro und La Palma werden Höchsttemperaturen von rund 34 °C erwartet. Besonders betroffen sind dort die inneren und westlich ausgerichteten Bereiche, wo sich die Hitze stärker stauen kann.
Waldbrandgefahr auf fünf Inseln
Die aktuellen Wetterbedingungen haben außerdem zur Aktivierung des Sonderplans für Zivilschutz und Notfallmaßnahmen bei Waldbränden der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln geführt. Dieser Plan ist unter der Bezeichnung INFOCA bekannt.
Die Warnung vor Waldbrandgefahr gilt derzeit auf El Hierro, La Palma, La Gomera, Teneriffa und Gran Canaria. In den gefährdeten Gebieten wurden Einschränkungen und besondere Überwachungsmaßnahmen eingeführt.
Diese Maßnahmen betreffen vor allem Gebiete oberhalb von 600 Metern an den Nordhängen sowie oberhalb von 400 Metern in den südlichen Bereichen. Ziel ist es, das Risiko von Bränden in jenen Zonen zu verringern, in denen hohe Temperaturen, starke Winde und trockene Vegetation eine gefährliche Kombination bilden.
Zusätzlich verschärft eine niedrige Temperaturinversion die Lage. Sie befindet sich in einer Höhe zwischen 300 und 500 Metern und sorgt dafür, dass warme, trockene Luft in den mittleren Höhenlagen und auf den Gipfeln eingeschlossen wird. Dadurch kann sich die Luftfeuchtigkeit kaum erholen, während die relative Luftfeuchtigkeit in einigen Gebieten unter 30 % fällt.
Diese sehr trockenen Bedingungen erhöhen zusammen mit der Hitze und den Windböen das Risiko, dass sich ein möglicher Waldbrand schnell ausbreitet.
Kalima vor allem in mittleren und hohen Lagen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Kalima. Der Schwebstaub wird vor allem in mittleren und hohen Lagen spürbar sein. Besonders ausgeprägt dürfte er an den nach Süden ausgerichteten Hängen der Inseln auftreten.
Die Kalima kann die Sicht beeinträchtigen und das Hitzegefühl zusätzlich verstärken. Für Menschen mit Atemwegsproblemen kann die staubige Luft unangenehm sein. Ihnen wird empfohlen, längere Aufenthalte im Freien zu vermeiden, vor allem in den Stunden, in denen die Kalima besonders dicht ist.
Starke Windböen und rauer Seegang
Auch der Nordostwind wird im Laufe des Tages eine wichtige Rolle spielen. Die Aemet hat für Lanzarote, La Gomera und Gran Canaria gelbe Windwarnungen ausgegeben. Dort werden maximale Windböen von rund 70 km/h erwartet.
In mehreren exponierten Bereichen können die Böen jedoch noch stärker ausfallen. Offizielle Vorhersagen gehen davon aus, dass der Nordostwind örtlich bis zu 90 km/h erreichen kann. Betroffen sein können tief liegende Gebiete an den Südost- und Westhängen der höher gelegenen Inseln, der Pass und die nordwestliche Spitze von La Palma, die nordwestliche Spitze von Teneriffa sowie der Süden von Fuerteventura.
Diese Windböen können das Fahren erschweren, insbesondere für Motorräder, Wohnmobile, Lastwagen und andere Fahrzeuge mit großer Seitenfläche. Auch in Waldgebieten und an exponierten Hängen ist zusätzliche Vorsicht geboten.
Auf See hält die Generaldirektion für Notfälle die Vorwarnung wegen Küstenphänomenen aufrecht. Erwartet werden Nordostwinde mit Geschwindigkeiten zwischen 50 und 61 km/h, was Windstärke 7 entspricht. Hinzu kommt ein nördlicher Seegang von ein bis zwei Metern.

An exponierten Küstenabschnitten kann es zu rauer oder schwerer See kommen. Besonders gefährlich können die Bedingungen für kleine Boote, Wassersportler und Personen werden, die sich in Küstennähe aufhalten. Die Hochwasserzeiten für diesen Dienstag sind für 02:23 Uhr und 14:35 Uhr vorgesehen, bei einem Gezeitenkoeffizienten von 69 bis 70.
Ab Mittwoch wird eine allmähliche Entspannung erwartet
Nach Angaben der Regierung der Kanarischen Inseln dürfte diese Episode extremer Hitze nur von kurzer Dauer sein. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Temperaturen ab Mittwoch, dem 1. Juli, allmählich zurückgehen werden.
Auch die Waldbrandgefahr könnte sich ab Donnerstag, dem 2. Juli, deutlich verbessern, sofern die Temperaturen sinken, die Luftfeuchtigkeit wieder zunimmt und die Windverhältnisse nachlassen.
Bis dahin empfehlen die Behörden, während der heißesten Tagesstunden körperliche Anstrengung zu vermeiden, ausreichend Wasser zu trinken, sich möglichst in kühlen oder schattigen Bereichen aufzuhalten und besonders auf Kinder, ältere Menschen und gefährdete Personen zu achten. Außerdem sollte jede Aktivität vermieden werden, die in trockenen oder bewaldeten Gebieten einen Brand auslösen könnte.






