Das Nationale Geografische Institut (IGN) hat den Zivilschutz der Regierung der Kanarischen Inseln offiziell über eine deutliche Zunahme der seismischen Aktivität unter Teneriffa informiert. Anlass für die Mitteilung war die Registrierung einer erhöhten Zahl seismisch-vulkanischer Ereignisse in den vergangenen Stunden. Trotz der verstärkten Aktivität stellen die Wissenschaftler klar, dass die aktuelle Entwicklung weder kurz- noch mittelfristig auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs hindeutet.
Nach Angaben des IGN zeigen die Überwachungssysteme eine Intensivierung der vulkanischen Aktivität, insbesondere westlich der Las Cañadas del Teide. Dort wurden innerhalb der vergangenen 48 Stunden insgesamt 221 niederfrequente seismische Ereignisse registriert.
Zunahme der Aktivität seit dem Wochenende
Die jüngste Phase erhöhter Aktivität setzt eine Entwicklung fort, die bereits am Wochenende begonnen hatte. Zwischen Samstag und Sonntag sowie erneut in den frühen Morgenstunden des Montags registrierten die Messstationen mehrere Phasen verstärkter niederfrequenter seismischer Signale in jenem Gebiet, das bereits seit Monaten regelmässig seismische Aktivität aufweist.
Ein besonders ausgeprägter Aktivitätsschub wurde am Montag um 2.07 Uhr registriert. Zu diesem Zeitpunkt leitete das IGN entsprechend den geltenden Überwachungsprotokollen eine offizielle Mitteilung an den Zivilschutz weiter.
Benachrichtigung erfolgte nach festgelegten Verfahren

Das Institut bestätigte, dass die Warnung ausschliesslich im Rahmen der üblichen Sicherheits- und Informationsprotokolle erfolgte. Ziel der Mitteilung sei es gewesen, die zuständigen Behörden und Einsatzkräfte frühzeitig über die Entwicklung der seismischen Aktivität zu informieren.
Wie Quellen des IGN gegenüber der Nachrichtenagentur EFE erklärten, wurden vergleichbare Benachrichtigungen bereits in der Vergangenheit mehrfach versandt, wenn die Entwicklung der Messdaten dies erforderlich machte. Bislang waren solche internen Warnmeldungen jedoch nicht öffentlich bekannt geworden.
Während der aktuellen Aktivitätsphase registrierten die Wissenschaftler verschiedene Arten seismischer Signale, darunter vulkanotektonische Erdbeben, hybride Ereignisse sowie sogenannte LP-Ereignisse (Low Frequency). Nach Einschätzung der Experten weisen diese Ereignisse eine deutliche zeitliche Übereinstimmung auf und stehen vermutlich miteinander in Zusammenhang, da sie Teil desselben geologischen Prozesses im Untergrund sind.
Trotz der gestiegenen Anzahl registrierter Ereignisse blieb keines der Erdbeben für die Bevölkerung spürbar, da sämtliche Magnituden sehr gering ausfielen.
Erdbeben konzentrieren sich im Westen der Las Cañadas

Bereits zwischen Donnerstag und Freitag hatte das IGN 79 Erdbeben in demselben Gebiet registriert. Zusammen mit den seither aufgezeichneten Ereignissen hat sich die seismische Aktivität in den vergangenen Tagen deutlich verstärkt.
Die registrierten Erdbeben weisen nach Angaben des Instituts nahezu identische Eigenschaften auf. Sämtliche Ereignisse erreichten eine Magnitude von weniger als 2,0 MbLg, während sich die meisten Epizentren im westlichen Bereich der Las Cañadas del Teide befanden. Besonders betroffen sind die Untergrundbereiche der Gemeinden Guía de Isora, Vilaflor de Chasna, Fasnia und Santiago del Teide.
Die Hypozentren lagen überwiegend in Tiefen zwischen 10 und 15 Kilometern unter dem Meeresspiegel, was den Mustern früherer seismischer Schwärme unter Teneriffa entspricht.
Muster ähnelt den Ereignissen im Frühjahr

Nach Einschätzung der Vulkanologen ähnelt die aktuelle Entwicklung stark den Aktivitätsphasen, die bereits im Februar und März dieses Jahres beobachtet wurden. Auch damals war es zu einer erhöhten Zahl kleiner Erdbeben gekommen, ohne dass daraus ein Vulkanausbruch oder andere bedeutende Veränderungen des Vulkansystems resultierten.
Das IGN weist ausserdem darauf hin, dass sämtliche bislang veröffentlichten Daten vorläufigen Charakter besitzen. Da zahlreiche registrierte Signale nur sehr geringe Amplituden aufweisen, wird das umfangreiche Datenmaterial derzeit weiterhin ausgewertet. Es ist daher möglich, dass sich die Gesamtzahl der registrierten Ereignisse nach Abschluss der Analyse noch erhöht und genauere Angaben zu Magnituden und Herdtiefen in den offiziellen Erdbebenkatalog aufgenommen werden.
Unabhängig davon bleibt das vulkanologische Überwachungsnetz auf Teneriffa rund um die Uhr in Betrieb. Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es keine Hinweise auf eine erhöhte Gefährdung der Bevölkerung, und die Experten sehen weiterhin keinen Anlass, die vulkanische Gefahreneinschätzung zu verändern.
Die Behörden empfehlen der Bevölkerung deshalb, sich ausschliesslich auf Informationen offizieller wissenschaftlicher Stellen zu verlassen und Spekulationen oder alarmistische Meldungen in sozialen Netzwerken mit Vorsicht zu begegnen.






