Die Terra Awards 2026 haben einmal mehr verdeutlicht, wie dringend eine globale Zusammenarbeit erforderlich ist, um das kulturelle und natürliche Erbe der Menschheit langfristig zu bewahren. Die Preisverleihung wurde damit nicht nur zu einer Würdigung herausragender Leistungen, sondern auch zu einem eindringlichen Appell an die internationale Gemeinschaft, Verantwortung für den Schutz des Planeten zu übernehmen.
Am vergangenen Donnerstag rückte die Stadt San Cristóbal de La Laguna erneut in den Mittelpunkt der internationalen Kulturagenda, als sie Gastgeberin der fünften Ausgabe der Terra Awards war – einer Initiative, die seit 2022 von der Fundación Diario de Avisos gefördert wird.
Die Zeremonie fand im historischen Teatro Leal statt und bestätigte die Rolle der Stadt als globaler Treffpunkt für Kulturerbe, Dialog und Nachhaltigkeit. Als einzige UNESCO-Weltkulturerbestadt auf den Kanarischen Inseln bot La Laguna erneut einen symbolträchtigen Rahmen für eine Veranstaltung, deren internationale Bedeutung kontinuierlich wächst.
Die Terra Awards zeichnen Projekte, Institutionen und Persönlichkeiten aus, die sich in besonderer Weise für die Bewahrung und den Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes einsetzen. In der Ausgabe 2026 ging die Veranstaltung jedoch über eine reine Ehrung hinaus und entwickelte sich zu einem klaren globalen Aufruf zum Handeln – angesichts der zunehmenden ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die das Erbe der Menschheit bedrohen.
Eine Eröffnungsbotschaft zwischen Identität und Verantwortung

Nach der offiziellen Begrüßung wurde die Zeremonie mit einer Ansprache von Badel Albelo eröffnet, der die Gastgeberstadt als „einen Ort, der geschaffen wurde, um Menschen zusammenzubringen, als Raum des Zusammenlebens und als Gebiet, in dem Erinnerung und Zukunft täglich miteinander in Dialog treten“ beschrieb.
Er hob hervor, dass der Status als Weltkulturerbestadt sowohl Verantwortung als auch Weitsicht bedeute: Es gehe darum, ein gemeinsames Erbe zu bewahren und gleichzeitig durch Innovation in die Zukunft zu tragen. Zugleich betonte er die übergeordnete Bedeutung der Auszeichnungen und unterstrich, dass die Arbeit der Preisträger „uns inspiriert, leitet und daran erinnert, dass der Schutz des Kulturerbes letztlich der Schutz von Leben, Erinnerung und Hoffnung ist“.
Mostar: Symbol für Wiederaufbau und Versöhnung

Die erste Auszeichnung des Abends, der Terra City of La Laguna Conservation Award, ging an das Historische Zentrum und Alte Brücke von Mostar. Die Brücke aus dem 16. Jahrhundert, die während des Bosnienkrieges zerstört und 2004 wieder aufgebaut wurde, gilt heute als eindrucksvolles Symbol für Widerstandskraft und Versöhnung.
Bei der Entgegennahme des Preises betonte Mario Kordić die tiefere Bedeutung dieser Anerkennung:
„Die Alte Brücke und das historische Zentrum von Mostar sind nicht nur ein Symbol architektonischer Schönheit, sondern auch ein klares Zeichen für Erneuerung, Hoffnung und die Verbindung zwischen den Menschen. Nach ihrer Zerstörung hat Mostar gezeigt, dass es möglich ist, nicht nur Brücken aus Stein, sondern auch Brücken zwischen Menschen wieder aufzubauen.“
Die emotionale Dimension dieser Auszeichnung wurde durch Julio Salom Herrera verstärkt, der an die Präsenz spanischer Truppen im Bosnienkrieg erinnerte und den Einsturz der Brücke als Verlust „eines Teils unserer Seele“ beschrieb.
Mariachi: lebendiges Kulturerbe und Ausdruck von Identität

Der Terra Award für immaterielles Kulturerbe der Menschheit wurde an die Tradition des Mariachi verliehen – als Anerkennung ihrer kulturellen Bedeutung und ihres Beitrags zur Bewahrung kollektiver Identität.
Sebastián Pelayo, der den Preis im Namen des Mexikanischen Kulturinstituts in Spanien entgegennahm, unterstrich:
„Mariachi ist nicht nur Musik; es ist lebendige Geschichte, eine weitergegebene Tradition und eine Emotion, die gesungen wird.“
Die musikalische Darbietung des Ensembles Mariachi Mencey Azteca machte diese Auszeichnung unmittelbar erlebbar und vermittelte eindrucksvoll die emotionale Kraft dieser kulturellen Ausdrucksform.
Great Barrier Reef: ein globales Signal für den Umweltschutz

Der Terra Award für die Initiative zu neuen Herausforderungen ging an das Great Barrier Reef, eines der bedeutendsten marinen Ökosysteme der Welt.
Die australische Botschafterin in Spanien, Rosemary Morris-Castico, hob die gemeinsame Verantwortung hervor:
„Australien und die Kanarischen Inseln teilen eine tiefe Verbundenheit mit dem Meer, das Leben schenkt, Menschen verbindet und eine einzigartige Biodiversität beherbergt, die wir schützen müssen.“
Gleichzeitig warnte sie vor den globalen Herausforderungen, insbesondere dem Klimawandel, der als größte Bedrohung für Korallenriffe weltweit gilt und gemeinsames internationales Handeln erfordert.
Eine gemeinsame Botschaft: Kulturerbe braucht Engagement

In einem der nachdenklichsten Momente des Abends brachte Priscila González die zentrale Botschaft der Veranstaltung auf den Punkt:
„Kulturerbe schützt sich nicht von selbst. Es braucht Wissen, Engagement und vor allem ein gemeinsames Bewusstsein für seinen Wert.“
Sie betonte, dass der Schutz des Kulturerbes nicht nur eine kulturelle Aufgabe sei, sondern auch eine grundlegende Haltung gegenüber der Welt in Zeiten globaler Unsicherheit.
Miguel Delibes de Castro: eine Stimme für die Natur

Der Preis für Exzellenz im Schutz des Kulturerbes wurde an den Biologen Miguel Delibes de Castro verliehen, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Bereich des Naturschutzes in Spanien.
In seiner Rede hob er hervor:
„Das Naturerbe ist die Grundlage aller anderen Formen des Kulturerbes. Ohne die Natur würden wir nicht existieren.“
Zugleich machte er deutlich:
„Kein Mensch, kein Land und keine Macht kann das Kulturerbe allein bewahren. Die Probleme, vor denen wir stehen, sind global – und sie müssen gemeinsam gelöst werden.“
Seine Worte gehörten zu den eindringlichsten Momenten des Abends und unterstrichen die Dringlichkeit des Umwelt- und Naturschutzes.
Machu Picchu: ein Modell für nachhaltiges Management

Der letzte Preis des Abends, für nachhaltiges Kulturerbe-Management, wurde an Machu Picchu verliehen, das weltweit als Beispiel für die Balance zwischen Erhaltung und touristischer Nutzung gilt.
Denis Iván Falconí Jiménez betonte bei der Entgegennahme des Preises:
„Kulturerbe ist ein Gut, das Grenzen überschreitet und ein zunehmend engagiertes Management erfordert.“
Er hob hervor, dass die größte Herausforderung darin bestehe, ein Gleichgewicht zwischen Zugang, Schutz und Entwicklung zu finden – eine Aufgabe, die langfristige Strategien, internationale Zusammenarbeit und fundierte Entscheidungen erfordert.
Ein Abschluss im Zeichen von Kultur und Gemeinschaft

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein mitreißendes musikalisches Finale: Mariachi Mencey Azteca kehrte auf die Bühne zurück und interpretierte bekannte Stücke wie El Rey, El Jarabe Tapatío und Tequila. Die Darbietung brachte das Publikum zum Mitklatschen und verlieh der Gala einen stimmungsvollen Ausklang.
Ein globaler Aufruf zum Handeln

Die Terra Awards 2026 haben eindrucksvoll gezeigt, dass Kulturerbe weit mehr ist als ein Vermächtnis der Vergangenheit. Es ist eine gemeinsame Verantwortung, die die Zukunft unseres Planeten mitgestaltet.
Die Botschaft der Veranstaltung war eindeutig: Wer das Kulturerbe schützt, schützt zugleich die Lebensgrundlagen der Menschheit – und diese Aufgabe betrifft uns alle.






