In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Kanarischen Inseln als eines der gefragtesten Ziele in Spanien für ausländische Immobilienkäufer etabliert. Ob zur dauerhaften Niederlassung, als Kapitalanlage oder für den Erwerb eines Zweitwohnsitzes – das Interesse aus dem Ausland ist ungebrochen. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum rund 90.000 Wohnimmobilien von internationalen Käufern erworben, was etwa 35 % aller Transaktionen entspricht.
Damit liegen die Kanarischen Inseln deutlich über dem landesweiten Durchschnitt. Spanienweit lag der Anteil ausländischer Käufer im gleichen Zeitraum bei lediglich 14,5 %, wie Daten von Institutionen wie dem Consejo General del Notariado und dem Colegio de Registradores de España zeigen. Diese Diskrepanz verdeutlicht die außergewöhnlich hohe Bedeutung internationaler Investoren für den Immobilienmarkt der Inseln.
Spitzenposition im Vergleich zu anderen Küstenregionen

Auch in anderen beliebten Küstenregionen Spaniens – darunter die Balearen, Andalusien, Murcia und die Autonome Gemeinschaft Valencia – ist die Nachfrage aus dem Ausland stark. Dennoch erreicht keine dieser Regionen den Anteil ausländischer Käufer, der auf den Kanarischen Inseln verzeichnet wird.
Auf den Balearen entfallen 28,3 % der Immobilienkäufe auf Ausländer, in der Autonomen Gemeinschaft Valencia sind es 27,1 % und in Murcia 22,3 %. Andalusien liegt mit 14,5 % deutlich darunter. Die Kanarischen Inseln nehmen damit eine Spitzenstellung ein und unterstreichen ihre besondere Attraktivität im nationalen Vergleich.
Zwischen 2016 und 2025 wurden in Spanien insgesamt 894.483 Immobilien von ausländischen Käufern erworben. Etwa jede zehnte dieser Transaktionen entfiel auf die Kanarischen Inseln, was die Rolle des Archipels als bedeutenden Standort für internationale Immobilieninvestitionen bestätigt.
Hoher Anteil an Nichtansässigen
Ein auffälliges Merkmal des Marktes ist der hohe Anteil von Käufern, die nicht auf den Inseln ansässig sind. In der zweiten Jahreshälfte 2025 wurden 3.667 Immobilien von Ausländern gekauft, davon exakt die Hälfte (1.843) von Nichtansässigen.
Dieser Anteil liegt über dem nationalen Durchschnitt, bei dem Nichtansässige rund 42,7 % der Käufe durch Ausländer ausmachen. Die Zahlen zeigen deutlich, dass die Kanarischen Inseln nicht nur als Wohnort, sondern auch als Standort für Ferienimmobilien und Investitionen besonders gefragt sind.
Deutsche und Italiener prägen den Markt

Die Analyse nach Nationalitäten zeigt unterschiedliche Muster je nach Aufenthaltsstatus. Unter den nicht ansässigen Käufern stellen Deutsche mit einem Anteil von 20,6 % die größte Gruppe dar, gefolgt von Italienern mit 12,3 %.
Bei den auf den Inseln lebenden ausländischen Käufern ergibt sich ein anderes Bild: Hier dominieren Italiener mit 26,2 % der Käufe, während Deutsche einen Anteil von 9,2 % erreichen. Diese Entwicklung verdeutlicht die unterschiedliche Rolle beider Nationalitäten innerhalb des Immobilienmarktes.
Ausländische Käufer zahlen höhere Preise
Immobilien, die von ausländischen Käufern erworben werden, liegen preislich deutlich über dem regionalen Durchschnitt. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis betrug zuletzt 2.846 Euro, während der Durchschnittspreis auf den Kanarischen Inseln insgesamt bei 2.177 Euro lag – ein Unterschied von mehr als 30 %.
Auch im Vergleich zum landesweiten Durchschnittspreis für ausländische Käufer, der bei 2.448 Euro pro Quadratmeter liegt, sind die Preise auf den Kanarischen Inseln höher. Dies deutet darauf hin, dass internationale Käufer verstärkt hochwertige Immobilien in bevorzugten Lagen erwerben.
Schwankungen und aktuelle Entwicklungen

Die jährlichen Daten zeigen, dass der Anteil ausländischer Käufe im Zeitverlauf variiert. Er reichte von einem Höchstwert von 41,7 % im Jahr 2016 bis zu einem Tiefststand von 30,6 % im Jahr 2020.
Im letzten vollständigen Jahr wurden 8.302 Immobilien von ausländischen Käufern erworben, bei insgesamt 26.045 Transaktionen. Dies entspricht einem Anteil von 31,8 %, stellt jedoch einen Rückgang von 9 % im Vergleich zum Vorjahr dar.
Trotz dieser leichten Abschwächung bleibt der langfristige Trend eindeutig: Die internationale Nachfrage ist weiterhin ein entscheidender Motor des Immobilienmarktes auf den Kanarischen Inseln.
Fehlende Detaildaten auf lokaler Ebene
Ein Nachteil der verfügbaren Statistiken ist das Fehlen detaillierter Aufschlüsselungen nach einzelnen Inseln oder Gemeinden. Offizielle Quellen liefern keine ausreichend differenzierten Daten, um die lokalen Marktstrukturen im Detail zu analysieren. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass sich ein Großteil der Käufe auf touristisch geprägte Gebiete konzentriert.
Politische Diskussion über Regulierung

Die starke Präsenz ausländischer Käufer hat zunehmend politische Diskussionen ausgelöst. Vor einem Jahr kündigte der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, an, mögliche rechtliche und politische Maßnahmen zu prüfen, um den Zugang zum Wohnungsmarkt neu zu regulieren.
Im Rahmen der Debatte zur Lage der Nation sprach er sich dafür aus, mit der spanischen Regierung und der Europäischen Union über neue Regelungen zu verhandeln, ähnlich denen in anderen europäischen Regionen. Ziel wäre es, das Bevölkerungswachstum besser zu steuern und den Druck auf den lokalen Wohnungsmarkt zu verringern.
Bislang befinden sich diese Vorschläge jedoch noch in der Diskussionsphase, konkrete Maßnahmen wurden noch nicht umgesetzt.
Ein Markt unter starkem internationalem Einfluss
Insgesamt zeigen die Daten deutlich, dass der Immobilienmarkt der Kanarischen Inseln maßgeblich von ausländischer Nachfrage geprägt ist. Diese beeinflusst nicht nur das Preisniveau und die Dynamik des Marktes, sondern steht auch im Zentrum einer breiteren Debatte über Wohnraum, Erschwinglichkeit und die langfristige Entwicklung der Region.






