Auf den Kanarischen Inseln steht ein abrupter und potenziell gefährlicher Wetterumschwung bevor. Mit dem Eintreffen einer polaren Luftmasse, die von einer aktiven Atlantikfront begleitet wird, verändert sich die Wetterlage ab Donnerstag, dem 9. April, grundlegend. Nach Angaben der Agencia Estatal de Meteorología (AEMET) sowie der Generaldirektion für Notfälle der kanarischen Regierung wurden mehrere Warnstufen aktiviert, da eines der markantesten Wetterereignisse der vergangenen Wochen erwartet wird.
Die heranströmende Kaltluft verdrängt die bislang stabilen und vergleichsweise milden Bedingungen und sorgt für ein deutlich dynamischeres, unbeständigeres Wettergeschehen. Besonders im Fokus stehen dabei die Küstenregionen sowie die höher gelegenen Gebiete der Inseln, wo die Auswirkungen am intensivsten ausfallen dürften.
Kritische Lage an den Küsten: hoher Wellengang und verstärkte Warnstufen
Die größte Gefahr geht von den Seebedingungen aus. Die kanarische Regierung hat die Warnstufe für Küstenphänomene auf allen Inseln erhöht, wobei für Lanzarote eine orangefarbene Warnung gilt.
Dort wird ein kräftiger Nordwest-Seegang erwartet, der Wellenhöhen von bis zu sechs Metern erreichen kann. Auf den übrigen Inseln bleibt eine gelbe Warnstufe bestehen, mit prognostizierten Wellen zwischen vier und fünf Metern.

Diese Bedingungen verschärfen sich insbesondere bei Flut, wenn die Wellen weiter ins Landesinnere vordringen und zusätzliche Energie entfalten. Auch bei moderaten Gezeiten stellt der starke Atlantik-Seegang ein erhebliches Risiko dar – sowohl für Badegäste als auch für kleinere Boote und Personen in küstennahen Bereichen.
Starke bis stürmische Winde mit Böen bis 80 km/h
Parallel zur Verschlechterung der Seebedingungen nimmt auch der Wind deutlich zu. Vorherrschend ist eine nordwestliche Strömung, die vielerorts mit mäßiger bis starker Intensität auftritt.
In zahlreichen Regionen werden Windböen von über 70 km/h erwartet, während in besonders exponierten Lagen Spitzenwerte von bis zu 80 km/h möglich sind – vor allem im Verlauf des Donnerstagnachmittags.
Zu den am stärksten betroffenen Gebieten zählen:
- Teneriffa: Höhenlagen, Gebirgskämme und der äußerste Westen
- Gran Canaria: südöstliche Mittelgebirgsregionen sowie westliche und nordöstliche Hänge
- La Palma: Gipfelregionen sowie exponierte Ost- und Westhänge
- Lanzarote und Fuerteventura: offenes Gelände und Inselinneres
In diesen Bereichen können die starken Böen zu lokalen Beeinträchtigungen führen, insbesondere in ungeschützten und erhöhten Lagen.
Regen, deutlicher Temperaturrückgang und mögliche Schneefälle
Mit der Front breitet sich auch eine dichte Bewölkung über das Archipel aus, begleitet von zunehmender atmosphärischer Instabilität. Auf den höher gelegenen Inseln dominieren bedeckte Himmel und wiederkehrende Niederschläge, insbesondere in den nördlichen Regionen.

Die Regenfälle können zeitweise anhalten und sich im Tagesverlauf ausweiten. Selbst auf den östlichen Inseln, die üblicherweise weniger betroffen sind, ist insbesondere am Morgen mit Niederschlägen zu rechnen.
Gleichzeitig gehen die Temperaturen im gesamten Archipel spürbar zurück. Während an den Küsten noch Werte um 20 bis 21 °C erreicht werden, sorgt die Kombination aus Wind und hoher Luftfeuchtigkeit für eine deutlich niedrigere gefühlte Temperatur.
In den Hochlagen Teneriffas, vor allem im Bereich des Teide, wird es deutlich kälter. Neben leichtem Frost schließt die AEMET auch ersten Schneefall oder Schneeregen im Zuge dieses Wetterumschwungs nicht aus.
Entwicklung in den kommenden Tagen: langsame Entspannung, aber anhaltende Kühle
Dieses Wetterereignis ist Teil eines großräumigen Systems, das nicht nur die Kanarischen Inseln, sondern auch weite Teile des spanischen Festlands beeinflusst. Die intensivste Phase wird zwischen Donnerstag und Freitag erwartet.
Ab Samstag dürfte sich die Lage allmählich stabilisieren, da sich Hochdruckeinfluss wieder durchsetzt. Dennoch wird der Temperaturrückgang anhalten, sodass das Wochenende spürbar kühler ausfallen dürfte als für diese Jahreszeit üblich.
Behörden rufen zur Vorsicht auf

Angesichts der Kombination aus starkem Wind, rauer See und unbeständigen Wetterbedingungen haben die Behörden mehrere Sicherheitsempfehlungen ausgesprochen.
Dazu zählen unter anderem:
- unnötige Fahrten in Bergregionen zu vermeiden
- lose Gegenstände wie Markisen oder Gartenmöbel zu sichern
- Abstand von Molen, Wellenbrechern und exponierten Küstenbereichen zu halten
Die Behörden betonen, dass insbesondere die Kraft des Meeres und die starken Windböen ernsthafte Gefahren darstellen können – vor allem in den am stärksten exponierten Gebieten des Archipels.
Ein markanter Wetterbruch mit spürbaren Auswirkungen
Die bevorstehende Wetterlage stellt einen deutlichen Bruch mit den zuvor stabilen Bedingungen dar. Die Kombination aus polarer Luft, intensiven Winden, starkem Seegang und sinkenden Temperaturen sorgt für ein insgesamt raues und ungewöhnlich kühles Wetterbild auf den Kanarischen Inseln – mit spürbaren Auswirkungen für Alltag, Verkehr und Aktivitäten im Freien.






