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Konflikt im Nahen Osten treibt Fracht-, Treibstoff- und Futtermittelkosten auf den Kanarischen Inseln in die Höhe

Steigende Energiepreise und höhere Versicherungs- sowie Transportkosten erhöhen den Inflationsdruck auf dem Archipel spürbar.

Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran hat inzwischen direkte wirtschaftliche Auswirkungen auf die Kanarischen Inseln. Obwohl der Archipel geografisch weit vom Krisengebiet entfernt liegt, ist er aufgrund seiner starken Abhängigkeit von Seeimporten besonders sensibel gegenüber globalen Marktverwerfungen. Steigende Energiepreise, höhere Frachtkosten und verteuerte Rohstoffe setzen Transport, Industrie und Landwirtschaft gleichermaßen unter Druck.


Frachtkosten steigen spürbar an

Zu den ersten messbaren Folgen zählt ein deutlicher Anstieg der Transportkosten. Nach Angaben von Samuel Marrero, Geschäftsführer der Capisa-Gruppe und Vertreter des Viehzuchtkomitees der Kanarischen Regierung, sind die Frachtraten für Massengutfrachter, die Getreide auf die Inseln bringen, um rund 15 % gestiegen.

Bei durchschnittlichen Transportkosten von etwa 45 Euro pro Tonne bedeutet dies Mehrkosten von rund 6,75 Euro pro Tonne. Hochgerechnet auf große Importmengen ergibt sich daraus eine erhebliche zusätzliche Belastung für den Agrar- und Viehzuchtsektor.

Besonders betroffen sind Sojabohnen, eine zentrale Eiweißquelle für Tierfutter. Ihr Preis ist innerhalb einer Woche um rund 15 % gestiegen – das entspricht etwa 35 Euro pro Tonne. Marrero erklärt diese Entwicklung mit der zunehmenden Unsicherheit an den Märkten: Kapital fließe in sogenannte „sichere Häfen“ wie Gold oder strategische Rohstoffe, selbst wenn sich die reale Angebotslage nicht verändert habe.

Ölpreis steigt stark – Kraftstoff auf Höchststand seit April 2025

Konflikt im Nahen Osten treibt Fracht-, Treibstoff- und Futtermittelkosten auf den Kanarischen Inseln in die Höhe

Die Energiemärkte reagieren empfindlich auf die geopolitischen Spannungen. Der europäische Referenzpreis Brent-Rohöl ist auf 91,8 US-Dollar pro Barrel gestiegen – ein Plus von 26 % innerhalb nur einer Woche. In der Folge haben die Kraftstoffpreise auf den Kanarischen Inseln den höchsten Stand seit April 2025 erreicht.

Hinzu kommt eine Aufwertung des US-Dollars um etwa 2,5 % seit Beginn des Konflikts. Da Rohstoffe weltweit in Dollar gehandelt werden, verteuert dies Importe zusätzlich für europäische Käufer – und damit auch für Unternehmen auf den Kanaren.

Industrie warnt vor Preisweitergabe an Verbraucher

Virgilio Correa, Präsident des Industrieverbands der Kanarischen Inseln (Asinca), bestätigt, dass Transportunternehmen bereits angekündigt haben, bestehende Verträge neu zu verhandeln – allerdings zu ungünstigeren Bedingungen. Steigende Energie- und Transportkosten erhöhen die Produktionskosten in nahezu allen Branchen.

Correa betont, dass bewaffnete Konflikte grundsätzlich inflationär wirken. Entscheidend sei die Dauer der Krise. Sollte sich der Konflikt länger hinziehen, würden die zusätzlichen Kosten unweigerlich in Form höherer Endpreise an die Verbraucher weitergegeben.

Zwar liege die Situation derzeit noch unter dem Niveau der Energie- und Rohstoffkrise von 2022 infolge des Ukraine-Krieges, doch könne sich dies bei anhaltender Eskalation rasch ändern.

Seeverkehr zusätzlich belastet

Konflikt im Nahen Osten treibt Fracht-, Treibstoff- und Futtermittelkosten auf den Kanarischen Inseln in die Höhe

Auch der maritime Sektor steht unter Druck. José María Pérez Tavío, Präsident des Rates der Seeverkehrsnutzer der Kanarischen Inseln, weist auf die strategische Bedeutung der Straße von Hormus hin. Sollte diese Route beeinträchtigt sein, müssten Schiffe längere Alternativrouten wählen, was den Treibstoffverbrauch und damit die Betriebskosten erhöht.

Zudem sind die Versicherungsprämien für Schiffe und Ladung aufgrund des gestiegenen geopolitischen Risikos deutlich angestiegen. Internationale Hafenüberlastungen führen zusätzlich zu Verzögerungen. Dennoch betonen die Behörden, dass derzeit keine unmittelbare Gefahr für die Versorgung der Inseln bestehe.

Forderung nach wirtschaftlichen Schutzmaßnahmen

Angesichts der Entwicklungen plant Samuel Marrero, bei der nächsten Sitzung des Viehzuchtkomitees wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen vorzuschlagen. Er verweist auf die Erfahrungen während des Ukraine-Krieges, als Hilfsmaßnahmen erst verspätet umgesetzt wurden und der Sektor zwischenzeitlich erhebliche Verluste erlitt.

Ein Unterschied zur damaligen Situation sei jedoch positiv hervorzuheben: Die aktuell beteiligten Länder zählen nicht zu den großen globalen Getreideproduzenten, sodass strukturelle Engpässe im weltweiten Angebot bislang nicht zu erwarten sind.

Gleichzeitig unterstreicht Marrero die Notwendigkeit größerer wirtschaftlicher Eigenständigkeit der Kanarischen Inseln. Die starke Importabhängigkeit mache die Region besonders anfällig für externe Krisen, die in einem zunehmend instabilen globalen Umfeld häufiger auftreten könnten.

Ausblick: Unsicherheit bleibt entscheidender Faktor

Derzeit gibt es keine akuten Versorgungsengpässe auf den Kanarischen Inseln. Dennoch deutet die Kombination aus steigenden Frachtkosten, höheren Rohstoffpreisen, verteuerten Versicherungen und teurerem Treibstoff auf zunehmenden Inflationsdruck hin.

Wie stark sich die Auswirkungen letztlich entfalten, hängt maßgeblich von der Dauer und Intensität des Konflikts ab. Sollte er kurzfristig bleiben, könnten sich die Märkte stabilisieren. Bei einer längeren Eskalation müssen Verbraucher auf dem Archipel jedoch mit weiteren Preissteigerungen in mehreren Wirtschaftsbereichen rechnen.


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