Zwei Touristen wurden dabei gefilmt, wie sie nur wenige Zentimeter vom Rand des verlassenen Añaza-Gebäudes in Santa Cruz de Tenerife entlangliefen – mit Mobiltelefonen in der Hand und ohne jegliche Sicherheitsausrüstung. Die Aufnahmen verbreiteten sich rasch und sorgten sowohl lokal als auch international für Empörung. Am Freitag griffen britische Medien den Vorfall auf, darunter The Sun, das die Ruine aufgrund ihrer Gefährlichkeit und der zahlreichen Todesfälle als „Todesgebäude“ bezeichnete.
Ein Relikt aus den 1970er-Jahren
Bei dem Bauwerk handelt es sich um einen unvollendeten Hotelkomplex im Stadtteil Añaza, dessen Errichtung 1973 begann, jedoch bereits 1975 eingestellt wurde. Das 22 Stockwerke hohe Betongebäude befindet sich seit Jahrzehnten in einem Zustand fortschreitenden Verfalls. Die Konstruktion ruht auf stark geschädigten Fundamenten, was das Betreten besonders gefährlich macht.
Polizeieinsatz nach Alarmmeldung
Laut britischen Medienberichten musste die örtliche Polizei eingreifen, nachdem städtische Mitarbeiter Alarm geschlagen hatten. Die Beamten forderten die Touristen auf, das Gelände umgehend zu verlassen, und wiesen sie darauf hin, dass ihnen Geldstrafen von über 500 Pfund (rund 576 Euro) wegen Hausfriedensbruchs und Missachtung von Sicherheitsauflagen drohen könnten.
Den Berichten zufolge verschafften sich die Betroffenen Zugang, indem sie eine Metallgitter-Absperrung durchbrachen – trotz deutlich sichtbarer Warnschilder in mehreren Sprachen, die vor akuter Lebensgefahr warnen und das Betreten ausdrücklich untersagen.
Eine tödliche Bilanz

Die Brisanz des Vorfalls ergibt sich nicht nur aus der offensichtlichen Rücksichtslosigkeit, sondern vor allem aus der nachweislich tödlichen Vergangenheit des Gebäudes. Mindestens fünf Menschen haben dort seit der Aufgabe der Baustelle ihr Leben verloren. Die jüngste Tragödie ereignete sich Anfang Dezember 2025, als ein Minderjähriger tödlich abstürzte. Dieses Ereignis hatte bereits massive öffentliche Empörung ausgelöst und die Forderungen nach einem Abriss weiter verstärkt.
Trotz jahrelanger Beschwerden von Anwohnern ist das Gebäude in den letzten Jahren zu einem gefährlichen Anziehungspunkt für Instagrammer, Urban Explorer und Abenteuerlustige geworden. Viele ignorieren Absperrungen und Warnungen, um spektakuläre Bilder zu produzieren – oft mit lebensgefährlichen Folgen.
Abriss rückt näher
Der Vorfall fällt in eine Phase, in der die Zukunft des Bauwerks erstmals seit Jahren konkreter geregelt werden könnte. Die Stadtplanungsabteilung des Stadtrats von Santa Cruz de Tenerife hat kürzlich die Einleitung und vorläufige Genehmigung eines Zwangsenteignungsverfahrens beschlossen.

Dieser Schritt ist eine Reaktion auf die anhaltende Nichterfüllung der sozialen Funktion der Immobilie, die seit Jahrzehnten ungenutzt, unfertig und ohne legitimen Zweck besteht. Die zuständige Stadträtin Zaida González bestätigte, dass das Verfahren bereits läuft und formelle Benachrichtigungen an die beiden bekannten Eigentümerstrukturen versandt werden: die Santa María Community of Property sowie Promociones y Servicios Los Guíos (Progrisa).
Sicherheitsmaßnahmen reichen bislang nicht aus
Bereits 2018 hatte die Stadtverwaltung das Gelände einfrieden lassen und Warnschilder in mehreren Sprachen angebracht. Im selben Jahr wurden zudem behördliche Ersatzmaßnahmen eingeleitet, um die Eigentumsverhältnisse zu klären und die Gefahrenlage einzudämmen.
Dennoch zeigen wiederholte Einbrüche, Vandalismus und unerlaubtes Betreten, dass diese Maßnahmen bislang nicht ausreichen, um den Zugang dauerhaft zu verhindern.
Eine klare Warnung
Der aktuelle Zwischenfall ist eine weitere deutliche Mahnung, wie gefährlich verlassene Großbauten werden können, wenn sie zu viralen Attraktionen mutieren. Behörden und Anwohner betonen erneut, dass kein Foto und kein Online-Ruhm es wert sind, ein Menschenleben zu riskieren, während der Druck wächst, einem der gefährlichsten und berüchtigtsten Schandflecken Teneriffas endgültig ein Ende zu setzen.






