Das wechselhafte Wetter, das zu Wochenbeginn große Teile Spaniens prägt, wird durch Sturm Harry verursacht – ein kräftiges Tiefdrucksystem, das vor allem in den Mittelmeerregionen ergiebige Regenfälle, Schneefall und starken Seegang mit sich bringt.
Auch wenn sich der Kern des polaren Jetstreams weiterhin deutlich nördlich der Kanarischen Inseln befindet, bleibt der Archipel von dessen indirekten Auswirkungen nicht verschont. Nach Einschätzung der Meteorologen von Meteored ist in den kommenden Tagen mit kühlem, feuchtem und unbeständigem Wetter zu rechnen.
Dynamik über dem Mittelmeer und dem spanischen Festland
Die aktuellen Prognosemodelle zeigen, dass sich das Hauptzentrum des Sturms in Richtung Nordtunesien verlagert, während sich südlich der Balearen ein sekundäres Tiefdruckgebiet ausbildet. Diese Konstellation begünstigt kräftige Ostwinde über dem Nordosten des spanischen Festlands, wo die Niederschläge besonders intensiv ausfallen dürften. In Teilen der Provinz Girona könnten die Regenmengen 150 Liter pro Quadratmeter überschreiten, was die Gefahr von Sturzfluten erhöht und zu orangefarbenen Warnstufen der AEMET führen kann.

Zwischen heute und morgen werden die starken Regenfälle voraussichtlich auch andere Regionen Kataloniens, die Autonome Gemeinschaft Valencia, die Balearen sowie den östlichen Teil Aragoniens erreichen. Zwar fallen die prognostizierten Gesamtsummen etwas geringer aus als zunächst erwartet, dennoch könnten in einzelnen Gebieten – darunter Nord-Alicante, Süd-Valencia, Tarragona, Niederaragonien und das Tramuntana-Gebirge auf Mallorca – binnen nur zwölf Stunden mehr als 60 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen.
Schnee und Sturm auf See
Parallel dazu spielt Schneefall eine wichtige Rolle in dieser Wetterlage. Die Schneefallgrenze wird zwischen 1.200 und 1.500 Metern erwartet und betrifft unter anderem die östlichen Pyrenäen, Teruel sowie Teile des Binnenlands von Castellón. In den Hochlagen von Girona könnten sich die Neuschneemengen auf über einen halben Meter summieren, während im südlichen Iberischen Gebirge und in den Pyrenäen von Huesca mehr als 20 Zentimeter Neuschnee möglich sind.
Auf See sind die Bedingungen besonders kritisch: Entlang weiter Teile der Mittelmeerküste werden Wellenhöhen von 5 bis 6 Metern prognostiziert, mit Spitzenwerten nahe 10 Metern, vor allem rund um die Balearen, Katalonien und die Küste der Region Valencia. Zusätzlich sind in exponierten Lagen Windböen von über 70 km/h zu erwarten.
Auswirkungen auf die Kanarischen Inseln

Obwohl die Kanarischen Inseln weit vom Epizentrum des Sturms entfernt liegen, werden sie weiterhin die Atlantik-bedingte Instabilität zu spüren bekommen. Ab Mittwoch dürfte der direkte Einfluss von Sturm Harry allmählich nachlassen. Gleichzeitig richtet sich der meteorologische Blick erneut auf den Atlantik, wo sich bereits ein neues Frontensystem formiert, das starke Regenfälle nach Galicien und in den Nordwesten der Iberischen Halbinsel bringen könnte.
Für die zweite Wochenhälfte deuten die Modelle zudem auf die Ausbildung eines antizyklonalen Blocks zwischen Grönland und Skandinavien hin. Dieses Muster würde dem polaren Jetstream ermöglichen, weiter nach Süden auszuschwenken und neue Tiefdruckgebiete in Richtung der Iberischen Halbinsel zu lenken. In diesem Szenario bleiben die Kanarischen Inseln vergleichsweise geschützt, ohne jedoch völlig unbeeinflusst zu sein.
Typisch winterliche Atlantiklage

Über die gesamte Woche hinweg sind auf den Inseln zeitweise Schauer zu erwarten, insbesondere auf den gebirgigen Inseln wie Teneriffa, La Palma, Gran Canaria und El Hierro. Dort begünstigt das Relief die Wolkenbildung und Niederschläge, wenn abgeschwächte Fronten den Archipel passieren. Insgesamt ist mit einer kühleren, wolkigeren und wechselhaften Witterung zu rechnen – ein typisches Muster für winterliche Atlantikinstabilität.
Ausblick und weitere Beobachtung
Sollten sich die aktuellen Prognosen zum Verlauf des polaren Jetstreams bestätigen, könnten im Nordwesten des spanischen Festlands sehr hohe Regenmengen auftreten, mit 150 bis 200 Litern pro Quadratmeter in Teilen Galiciens. Auf den Kanarischen Inseln hingegen zeichnet sich kein Extremereignis ab, wohl aber eine anhaltend unbeständige Wetterphase.
Meteorologen betonen, dass die weitere Entwicklung des Jetstreams engmaschig beobachtet werden muss. Ein möglicher Einbruch polarer Luft gegen Ende der Woche könnte auf dem Festland einen deutlichen Temperatursturz und erneuten Schneefall auslösen. Für den Archipel bedeutet dies voraussichtlich eine Fortsetzung der kühlen, bewölkten und zeitweise regnerischen Witterung, geprägt vom beständigen Einfluss atlantischer Wettersysteme.






