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Internationaler E-Commerce setzt Unternehmen auf den Kanarischen Inseln unter Druck

Trotz starker Umsätze kämpfen lokale Geschäfte auf den Kanaren mit steuerfreien Online-Importen bis 150 € und fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen.

Die Verbrauchergewohnheiten ändern sich rasant – und die Folgen sind auf den Kanarischen Inseln deutlich zu spüren. Eine aktuelle Studie des Observatoriums für Telekommunikation und Informationsgesellschaft der Kanaren, veröffentlicht von der Agentur für Forschung, Innovation und Informationsgesellschaft, zeigt: Die Unternehmen der Inseln verfügen bereits über einen hohen Digitalisierungsgrad und sind im E-Commerce fest verankert. Doch trotz dieser Anpassungen bleibt ein strukturelles Wettbewerbsungleichgewicht bestehen.


Die Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife nennt den Online-Handel als einen der Hauptgründe für Geschäftsaufgaben, bereits vor der Pandemie. Hauptursache sei die Steuerbefreiung für Importe mit geringem Wert: Einkäufe von außerhalb der Kanaren bis 150 € sind von der IGIC (Kanarische Mehrwertsteuer) befreit. Damit entstehe ein unfairer Wettbewerb, da importierte Produkte günstiger angeboten werden können als lokale Waren.

Doppelter Nachteil für Verbraucher

Auch die Kundinnen und Kunden sind betroffen. Laut einer Erhebung der Preisvergleichsplattform Idealo liefern 54 % der Online-Shops überhaupt nicht auf die Kanaren. Von den Anbietern, die dies tun, verlangt die Mehrheit hohe Versandkosten; lediglich 13 % liefern ohne Aufschlag.

Runder Tisch zur Lösungsfindung

Internationaler E-Commerce setzt Unternehmen auf den Kanarischen Inseln unter Druck

Um Lösungen zu erarbeiten, haben das Regionalministerium für Wirtschaft und der Arbeitgeberverband Cecapyme (kleine und mittlere Unternehmen) einen Runden Tisch mit Wirtschafts- und Regierungsvertretern eingerichtet.

  • David Mille, Generaldirektor für Handel und Verbraucherangelegenheiten, erklärte, dass erste Vorschläge aufgenommen und die Hauptlinien des Vorgehens durch die Steuerbehörde vorgestellt wurden.
  • Ziel sei es, einen Mechanismus zur direkten IGIC-Abwicklung an der Quelle zu entwickeln, der auch von großen Online-Plattformen akzeptiert wird.

Bei einem weiteren Treffen sollen die Beteiligten über Fortschritte der Generaldirektion für Beziehungen zu den EU-Institutionen und der ATC informiert werden.

Der stellvertretende Regionalpräsident Manuel Domínguez brachte zusätzliche Optionen ins Gespräch: eine IGIC-Befreiung auch für lokale Geschäfte oder eine Erhöhung der Transportzuschüsse.

E-Commerce in Zahlen

  • Umsatz 2023: 3,54 Milliarden Euro.
  • Preisprofil: 75 % der Online-Käufe liegen unter der 150-€-Freigrenze.

Stimmen aus der Branche

  • Abbas Moujir, Präsident des Verbandes der städtischen Handelszonen (Fauca), kritisiert:
    „Die Produkte sind meist von geringerer Qualität als die im stationären Handel. Wir fordern gleiche Bedingungen für die gesamte Branche. Wir schaffen rund 160.000 Arbeitsplätze, zahlen Steuern, schaffen Wohlstand – während ausländische Anbieter Steuervorteile genießen, und das Geld nicht hierbleibt.“
  • Alfredo Medina, Generalsekretär des Verbandes der mittleren und großen Vertriebsunternehmen (Asodiscan), ergänzt:
    „E-Commerce-Plattformen sind immer präsenter und richten zunehmend Schaden an. Die Kanaren sind der einzige Ort in der EU, wo Einkäufe unter 150 € steuerfrei sind. Diese Regelung wird ausgenutzt – zu Lasten des traditionellen Handels.“

Gute Umsätze, dennoch Geschäftsschließungen

Das Handelsbeobachtungszentrum der Kanarischen Inseln berichtet in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Statistikinstitut (INE), dass der Einzelhandelsumsatz zuletzt auf 129,67 Punkte stieg – ein monatlicher Anstieg von 9,4 %, der stärkste des Jahres 2025. Im Jahresvergleich lag das Plus bei 5,2 %, etwas moderater als im Juni (7,3 %), aber weiterhin über dem Landesdurchschnitt.

Trotzdem setzt sich die Schließungswelle von Geschäften fort. Gründe sind unter anderem:

  • fehlende Nachfolge in Familienbetrieben,
  • steigende Fixkosten durch Insellage (Transport, Energie, Mieten, Gehälter),
  • sowie ein komplizierter Verwaltungsapparat.

Um gegenzusteuern, setzen Regierung und Wirtschaftsverbände auf duale Berufsausbildung, um die Branche zu modernisieren und gleichzeitig die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen – in der Hoffnung, ein „günstigeres Umfeld“ für den lokalen Handel zu schaffen.


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