Die Kanarischen Inseln haben im internationalen Tourismus eine neue Bestmarke erreicht. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 besuchten mehr als 9 Millionen ausländische Gäste den Archipel und gaben dabei über 14 Milliarden Euro aus. Trotz Warnungen führender Wirtschaftsvertreter vor einer möglichen Abkühlung des Sektors zeichnen die aktuellen Zahlen ein Bild kontinuierlichen Wachstums ohne sichtbare Ermüdungserscheinungen.
Rekordmonat Juli
Nach Angaben des Nationalen Statistikinstituts war der Juli 2025 der bislang beste Juli in der Geschichte der Kanarischen Inseln.
- Insgesamt wurden 1.231.090 internationale Ankünfte gezählt – ein Plus von 6 % im Vergleich zum Juli 2024, der bereits ein Rekordmonat war.
- Im landesweiten Vergleich lag Spanien insgesamt bei einem Zuwachs von lediglich 1,6 %.
Damit setzt sich eine außergewöhnliche Entwicklung fort: Seit nunmehr 25 Monaten in Folge empfängt der Archipel monatlich über eine Million Gäste – ein beispielloser Rekord in der europäischen Tourismuslandschaft.
Kontinuierliches Wachstum seit der Pandemie

Von Januar bis Juli 2025 verzeichneten die Inseln 9.071.175 internationale Besucher, was einer Steigerung von 4,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Seit der Überwindung der Corona-Krise zeigt sich der Tourismus im Archipel als besonders resilient und wachstumsstark, wodurch sich die Kanaren erneut als eine der führenden Destinationen Europas etablieren.
Historische Ausgaben der Gäste
Parallel zu den steigenden Ankunftszahlen erreichten auch die touristischen Ausgaben neue Höchstwerte:
- Juli 2025: Ausgaben von 2,219 Milliarden Euro, ein Plus von 14,4 % im Vergleich zum Vorjahr.
- Januar bis Juli 2025: Gesamtausgaben von über 14,088 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 8,23 % entspricht.
Die durchschnittlichen Ausgaben pro Reise lagen bei 1.803 Euro, ein Anstieg von 7,6 %. Auch die täglichen Ausgaben erhöhten sich um 5,4 % auf 218 Euro pro Person, während die durchschnittliche Aufenthaltsdauer auf 8,3 Tage (+2,1 %) kletterte.
Wirtschaftsausblick: Solides Wachstum, aber abnehmendes Tempo

Im Wirtschaftsbericht für das zweite Quartal 2025 betonte die Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife die Bedeutung von starker Binnennachfrage, einem dynamischen Arbeitsmarkt und niedriger Inflation als Triebkräfte des Wachstums.
Ihr Präsident, Santiago Sesé, wies jedoch auf eine moderate Abkühlung hin: Zwar sorgen Bevölkerungszuwachs und Jobdynamik weiterhin für stabile Konsumausgaben, doch deuten ein sinkender Unternehmensvertrauensindex und zurückhaltendere Investitionen auf eine gewisse Vorsicht.
Mit einem erwarteten Wachstum von rund 3 % für 2025 gehören die Kanarischen Inseln dennoch zu den leistungsstärksten Regionen Spaniens, bewegen sich jedoch zunehmend im Einklang mit dem nationalen Durchschnitt.
Warnungen der Tourismuswirtschaft

Branchenverbände wie Excelcan, ein Zusammenschluss führender Tourismusunternehmen, blicken mit Sorge in die Zukunft. Sie rechnen 2025 mit einer Stagnation und 2026 mit einem leichten Rückgang.
Vizepräsident José Carlos Francisco warnte insbesondere vor dem wachsenden Druck durch Konkurrenzdestinationen, die mit aggressiven Preisstrategien um Marktanteile kämpfen. Zusätzlich erhöht die unsichere wirtschaftliche Lage in den wichtigsten Quellmärkten Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien das Risiko für den Archipel.
Die Kanarischen Inseln feiern derzeit einen historischen Erfolg im internationalen Tourismus: Rekordzahlen bei Ankünften und Ausgaben sichern dem Archipel eine Spitzenposition in Europa. Doch gleichzeitig mahnen Experten zur Vorsicht: Externe Risiken und zunehmende Konkurrenz könnten das Wachstum in den kommenden Jahren dämpfen.
Die langfristige Herausforderung liegt darin, die Abhängigkeit vom Tourismus zu verringern und die Wirtschaft breiter aufzustellen, um die Widerstandsfähigkeit des Archipels nachhaltig zu sichern.






