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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen sechs Beamte wegen massiver Verschmutzung der Playa Jardín auf Teneriffa

Sechs Beamte werden wegen der Fäkalienverschmutzung an der Playa Jardín auf Teneriffa angeklagt.

Die Umweltstaatsanwaltschaft hat Anklage gegen sechs hochrangige Beamte im Zusammenhang mit der gravierenden Verschmutzung der Playa Jardín in Puerto de la Cruz, Teneriffa, erhoben. Der beliebte Strand war fast ein Jahr lang wegen Fäkalienverunreinigungen geschlossen, was schwerwiegende Folgen für die öffentliche Gesundheit wie auch für den Tourismus nach sich zog.


Die Angeklagten

Auf der Anklagebank sitzen:

  • Alberto Bernabé, ehemaliger Leiter der Tourismusabteilung des Cabildo de Tenerife (bis 2019)
  • Marco González, Ex-Bürgermeister von Puerto de la Cruz
  • Blanca Pérez, Inselrätin für Umwelt
  • Javier Dávara, Leiter des Inselwasserrats (CIATF)
  • David Hernández und Alberto Cabo, Stadträte von Puerto de la Cruz

Ihnen wird Umweltfahrlässigkeit, Vernachlässigung öffentlicher Infrastruktur und Misswirtschaft zur Last gelegt.

Hintergrund der Vorwürfe

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen sechs Beamte wegen massiver Verschmutzung der Playa Jardín auf Teneriffa

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestehen in Puerto de la Cruz seit Jahren erhebliche Defizite im Abwassernetz. Viele Haushalte seien nach wie vor nicht an die Kanalisation angeschlossen und leiteten ihr Abwasser direkt in Senkgruben.

Am 21. Juni 2024 stellte der kanarische Gesundheitsdienst (SCS) eine deutliche Verschlechterung der Wasserqualität fest. Wenige Wochen später wurde der Strand offiziell geschlossen. Das Ministerium für ökologischen Wandel forderte umgehend Maßnahmen, um weitere mikrobiologische Risiken und fäkale Verunreinigungen zu verhindern.

Mängel in Infrastruktur und Abwasserbehandlung

Die Ermittlungen brachten eine Reihe schwerwiegender Versäumnisse ans Licht:

  • Kläranlage Valle de La Orotava (WWTP): Trotz gesetzlich vorgeschriebener Wartungen gibt es keinerlei Nachweise über regelmäßige Inspektionen, Reparaturen oder Kontrollen.
  • Pumpstationen: Zwei nahegelegene Pumpstationen arbeiteten jahrelang ohne die erforderliche Genehmigung. Zwar verhängte die Umweltbehörde 2023 Sanktionen, die Genehmigungen wurden jedoch nie erteilt.
  • Leckagen: Bereits im Juli 2020 wurde bei einer Unterwasserinspektion ein Defekt am Auslass von Punta Brava festgestellt. Die Reparatur erfolgte jedoch erst drei Jahre später – im Juni 2023.
  • Notüberläufe: Zwischen Januar und Juni 2024 kam es zu mehreren illegalen Einleitungen ins Meer.

Verschlechterung der Wasserqualität

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen sechs Beamte wegen massiver Verschmutzung der Playa Jardín auf Teneriffa

Über 600 Wasserproben zwischen 2020 und 2024 belegen eine kontinuierliche Abnahme der Wasserqualität.

  • 2021: Einstufung „gut“
  • 2023: Einstufung „ausreichend“
  • 2024: Einstufung „unzureichend“

Das seit 2016 bestehende Überwachungsprogramm des Cabildo konnte den sicheren Badebetrieb nicht gewährleisten. Statt grundlegender Sanierungen begnügten sich die Behörden mit provisorischen Reparaturen. Fachleute halten den Austausch von mindestens 240 Metern des Unterwasserauslasses für zwingend notwendig.

Gesundheitsrisiken

Unbehandeltes Abwasser in Badezonen birgt erhebliche Gefahren. Laut Staatsanwaltschaft können pathogene Mikroorganismen Krankheiten wie Gastroenteritis, Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen, Erbrechen, Myokarditis oder sogar Meningitis auslösen.

Eine Untersuchung der Umweltabteilung der Guardia Civil (Seprona) bestätigte zusätzlich:

  • Die Kläranlage reinigte das Abwasser unzureichend.
  • Es herrschte ein starker Chlorgeruch, dessen Einsatz in diesem Kontext nicht vorgesehen ist.
  • Die Konzentration an Fäkalbakterien überschritt die zulässigen Grenzwerte deutlich.

Rechtliche Konsequenzen

Die Staatsanwaltschaft macht vor allem den Stadtrat von Puerto de la Cruz verantwortlich. Er habe trotz mehrfacher Warnungen keine nachhaltigen Maßnahmen ergriffen, sondern wiederholt gesetzeswidrige Einleitungen geduldet.

Die sechs beschuldigten Beamten müssen sich nun wegen fahrlässiger Umweltverschmutzung und Missmanagements verantworten. Der Fall gilt als einer der schwerwiegendsten Umweltprozesse der letzten Jahre auf den Kanarischen Inseln.


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