Der ländliche Tourismus auf den Kanarischen Inseln schlägt erneut Alarm. Rund 800 traditionelle Landhäuser mit einer Kapazität von über 4.000 Betten – überwiegend auf Teneriffa, La Palma und Gran Canaria – kämpfen um ihr Überleben. Vertreter der Branche beklagen seit Jahren ein immer feindseligeres Umfeld, das insbesondere durch das massive Wachstum von Ferienwohnungen in Dörfern mittlerer Höhenlage sowie auf rustikalem Land geprägt sei – Flächen, auf denen eine touristische Nutzung gesetzlich nicht vorgesehen ist.
Hoffnung auf politische Lösungen
Die Erwartungen richten sich derzeit auf mehrere Ebenen:
- eine vom Tourismusministerium der Kanarischen Regierung in Auftrag gegebene Studie, deren Ergebnisse Ende dieses Jahres oder Anfang 2026 vorliegen sollen,
- die Verabschiedung des neuen Gesetzes über Ferienvermietungen, das derzeit im Parlament debattiert wird,
- sowie die Einführung der Mietregistrierungsnummer (NRA), die landesweit durch Grundbuchämter vergeben wird und für jede Ferienunterkunft verpflichtend ist, um legal auf Plattformen angeboten werden zu dürfen.
Rural-Tourismus-Betriebe sind von dieser Registrierungspflicht ausgenommen, was ihren besonderen Status unterstreicht.
Wenig Zuversicht herrscht jedoch gegenüber den Kommunalverwaltungen, denen die Branche Passivität vorwirft.

Pedro David Díaz Rodríguez, Präsident des Verbandes für ländlichen Tourismus auf Teneriffa (Tenatur) und Mitglied des kanarischen Dachverbands Acantur, betont:
„Die Gemeinden sind für Stadtplanung, Flächennutzung und Ordnung zuständig. Sie müssen unrechtmäßige Ferienvermietungen auf rustikalem Land kontrollieren, melden und – wenn nötig – schließen. Es ist höchste Zeit, diesem Unsinn ein Ende zu setzen.“
Gesetzliche Grundlage
Nach geltendem Recht ist rustikales Land auf den Kanarischen Inseln für Landwirtschaft, Viehzucht und Umweltschutz vorgesehen. Eine touristische Nutzung ist nur dann zulässig, wenn es sich um ein bereits bestehendes historisches Gebäude handelt, das Teil des kulturellen Erbes der Inseln ist. In diesem Fall ist touristische Nutzung ausschließlich mit der Renovierung und Erhaltung des Bauwerks verbunden – das ist die Grundlage des echten ländlichen Tourismus.
„Alles andere ist nur ein Ersatz, ein Etikett ohne Substanz. Das ist kein ländlicher Tourismus – auch nicht annähernd.“
Ein Hilferuf der Eigentümer
Die Betreiber warnen, dass die Zeit davonläuft. Ohne entschlossene Maßnahmen sei das Überleben des Sektors akut gefährdet. Sie fordern keine Sonderrechte, sondern die Anerkennung ihres kulturellen und identitätsstiftenden Werts. Dazu zählen:
- finanzielle Unterstützung für die Instandhaltung historischer Gebäude,
- strengere Schutzmaßnahmen für ländliche Gebiete,
- mehr Disziplin im Städtebau und konsequente Durchsetzung bestehender Regeln,
- politisches Engagement auf höchster Ebene,
- sowie fachliche Weiterbildung in den Gemeindeverwaltungen zur sachgerechten Bearbeitung von Fällen.
Ein anderes Tourismusmodell

Für Díaz ist es unvorstellbar, dass die Kanaren – eine der meistbesuchten Destinationen Europas – ohne ländlichen Tourismus auskommen könnten. Im Gegensatz zum Massentourismus biete er Reisenden authentische Erlebnisse: Übernachtungen in restaurierten Landhäusern, eingebettet in offene Landschaften, verbunden mit Gemeinschaften und Traditionen.
„Wir sind nicht gegen die Moderne. Was wir verteidigen, ist die Wiederherstellung der Landschaft und die Idee, den Tourismus zu ‚verländlichen‘,“ erklärt er.
Ruraler Tourismus müsse deshalb zu seinen Wurzeln zurückkehren – zu seiner Verbindung mit Land, Menschen und Erbe –, sich gleichzeitig aber auch erneuern: durch stärkere Verbandsarbeit und innovative Ansätze.
„Wir dürfen nicht in Nostalgie und Traurigkeit verharren. Ländliche Häuser sind wichtige Hüter der kanarischen Identität. Sie stehen nicht in Konkurrenz zu Ferienwohnungen im großen Stil – sie sind ihr Gegenteil.“






