kultur

Ein Fest für Journalismus, Kultur und Menschenrechte auf den Kanarischen Inseln

Hunderte versammelten sich auf Gran Canaria, um 25 Jahre Journalismus, Kultur und Menschenrechte zu feiern.

Hunderte Besucher feierten am Wochenende in Las Palmas de Gran Canaria das Festival der Ideen und Kultur, das von eldiario.es und Canarias Ahora organisiert wurde und in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen begeht. Das Festival bot eine Bühne für kritische Debatten, kulturellen Austausch und politische Reflexion – mit einem besonderen Fokus auf demokratische Werte, Medienfreiheit und soziale Gerechtigkeit.


Journalismus im Wandel der Zeit

Zum Auftakt diskutierten namhafte Stimmen des spanischen Journalismus – Ignacio Escolar, Rosa María Calaf, Olga Rodríguez und Carlos Sosa – über die Zukunft der Medien. Moderiert von Marc Giró und Cathaysa González, wurde deutlich: Die Unabhängigkeit des Journalismus ist heute gefährdeter denn je.

„Wir dürfen nicht warten, bis uns jemand erlaubt, die Wahrheit zu berichten“, betonte Ignacio Escolar.

Calaf mahnte, dass der Journalismus seine Funktion als öffentliche Dienstleistung nicht verlieren dürfe. Rodríguez erinnerte eindringlich an die anhaltende humanitäre Katastrophe in Gaza und die Informationsblockade:

„Was wäre, wenn internationale Journalist:innen vor Ort berichten dürften?“, fragte sie.

Gefahr von Rechts: Politische Blindheit seit den 1980ern

Ein Fest für Journalismus, Kultur und Menschenrechte auf den Kanarischen Inseln
Der Direktor von Canarias Ahora, Carlos Sosa, und der Direktor von eldiario.es, Ignacio Escolar. Alejandro Quevedo

In der Gesprächsreihe El Rincón de Pensar («Die Denkecke») analysierten Pilar del Río (Präsidentin der José-Saramago-Stiftung) und der Soziologe Ignacio Sánchez-Cuenca die erstarkende extreme Rechte in Europa. Moderiert von Juanlu Sánchez, wurde besonders die Rolle der Medien und linken Parteien kritisch beleuchtet.

„Wir waren blind gegenüber einer Entwicklung, die bereits in den 1980er Jahren begann“, so Sánchez-Cuenca.

Einen provokativen Beitrag lieferte Moha Gerehou mit seinem Buch Infiltrado en Vox, in dem er seine verdeckte Recherche in der rechtsextremen Partei schildert. Darío Adanti hingegen nutzte die Bühne, um an den Tod des Diktators Franco zu erinnern:

„Wir sollten feiern, dass er tot ist. Und wir brauchen die Linke zurück, die gefürchtet wurde.“

Tourismus hinterfragt: Zwischen Wirtschaft und Lebensqualität

Ein Fest für Journalismus, Kultur und Menschenrechte auf den Kanarischen Inseln

Ein weiteres zentrales Thema war das Tourismusmodell der Kanarischen Inseln. Forscher:innen wie Carla Izcara, Carmen Ginés de la Nuez und Jaime Jover warnten vor den Folgen eines einseitigen Fokus auf Tourismus:

„Wir bauen keine lebenswerten Städte mehr – wir schaffen Produkte für Tourist:innen“, sagte Izcara.

Sie zeigten auf, wie Wohnraum systematisch in touristische Nutzung übergeht und ganze Stadtteile – wie Guanarteme – gentrifiziert werden. Das Podium war sich einig: Es braucht strukturelle Reformen und eine gerechtere Verteilung der wirtschaftlichen Gewinne.

Menschenrechte im Mittelpunkt

Ein Fest für Journalismus, Kultur und Menschenrechte auf den Kanarischen Inseln

In Podcasts wie Un tema al día und mehreren Panels wurden Migration, Flucht, und globale Ungleichheit thematisiert. Gabriela Sánchez berichtete über ein tödliches Schiffsunglück vor El Hierro, Natalia G. Vargas über die Geschichte des Emigranten Orlando Acuña.

Eine Expertenrunde mit Elisa Bernal (Action Against Hunger), Marta Femia (Anesvad Foundation) und Juan Carlos Lorenzo (CEAR) zeigte: Humanitäre Organisationen stehen unter Druck – politisch und finanziell.

„Die Krisen nehmen zu, aber unsere Ressourcen schrumpfen“, so Bernal.

Kunst, Kulinarik und queere Stimmen

Auch das kulturelle Programm war vielfältig: In Carne Cruda diskutierte der Musikwissenschaftler Carlo Aguiar die politische Dimension von Drag. Catástrofe Ultravioleta feierte sein Comeback mit einer Geschichte über Meeresschildkröten auf Fuerteventura.

Filmemacher Nacho Vigalondo analysierte mit Javier Zurro mediale Desinformation im digitalen Zeitalter – von KI bis Flacherd-Theorien.

Kulinarisches Finale und ein Appell für die Zukunft

Ein Fest für Journalismus, Kultur und Menschenrechte auf den Kanarischen Inseln

Der kanarische Sternekoch Abraham Ortega präsentierte eine kreative Süßkartoffelsalat-Variation und verband moderne Küche mit regionaler Identität:

„Ohne Gastronomie gibt es keine Kultur.“

Musikalisch begleiteten Santiago Auserón, Melómana und die DJs Sergio Miró und Color das Festival, das nicht nur informierte, sondern auch begeisterte.

25 Jahre Canarias Ahora – und ein Blick nach vorn

Das Festival war zugleich eine Hommage an Canarias Ahora, die erste digitale Zeitung der Kanarischen Inseln. Seit 25 Jahren steht das Medium für unabhängigen, engagierten Journalismus – und fordert:

„Wir brauchen unsere Leser:innen mehr denn je, um auch die nächsten 25 Jahre kritischen Journalismus zu sichern.“


Scroll al inicio