Die führenden spanischen Gewerkschaften haben das jüngste Angebot der Arbeitgeber im Beherbergungssektor zur Lohnanpassung einstimmig abgelehnt. Sollte es nicht bald zu nennenswerten Fortschritten kommen, drohen landesweite Streiks im Sommer, darunter wöchentliche Arbeitsniederlegungen an jedem Freitag im Juli und August.
Arbeitgeberangebot: Reallohnverlust trotz Gehaltserhöhung
Laut den Gewerkschaften sieht das vorgelegte Angebot eine Gehaltserhöhung von insgesamt 13,5 % über drei Jahre vor:
- 7 % im ersten Jahr
- je 3,25 % in den darauffolgenden zwei Jahren
Doch enthalten ist auch eine sogenannte Absorptionsklausel von 2,5 %, die es Arbeitgebern erlaubt, die Lohnerhöhungen mit bestehenden betrieblichen Vereinbarungen zu verrechnen. Diese Regelung, so die Gewerkschaften, betreffe etwa 80 % der Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe. Dadurch würde der tatsächliche Zuwachs für viele Beschäftigte deutlich gemindert, ohne die Verluste an Kaufkraft der letzten Jahre auszugleichen.
Geplante Einschnitte bei Arbeitsrechten sorgen für Kritik

Neben den finanziellen Aspekten kritisieren die Gewerkschaften insbesondere rückschrittliche Eingriffe in bestehende Arbeitnehmerrechte. Zu den strittigen Punkten zählen:
- Kürzungen bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
- Einschränkungen bei der Treueprämie, die langjährigen Mitarbeitenden nach mindestens 16 Jahren zusteht
- Die Möglichkeit einer unregelmäßigen Verteilung von bis zu 30 % der Arbeitszeit, im Zusammenhang mit einer möglichen zukünftigen Arbeitszeitverkürzung — ein Thema, das laut den Gewerkschaften nicht tariflich, sondern gesetzlich geregelt werden sollte
Gewerkschaftsgremium berät über weitere Schritte
Zur weiteren Abstimmung tritt am Montag, den 16. Juni, um 12 Uhr der Gewerkschaftsausschuss erneut zusammen. Das Treffen findet in den Räumlichkeiten der Sindicalistas de Base in Santa Cruz de Tenerife (Calle Méndez Núñez, 35) statt. Beteiligt sind die Gewerkschaftsverbände SBC, FSOC, UGT, Intersindical Canaria und USO. Auch die CCOO ist zur Teilnahme eingeladen, mit dem Ziel, einen gemeinsamen Gegenvorschlag zu erarbeiten und Strategien zur Vermeidung des Streiks auszuloten.
Streikplan steht bereits fest

Falls keine Einigung erzielt wird, halten die Gewerkschaften an ihrem bereits beschlossenen Protestkalender fest. Dieser sieht vor:
- Streiks an jedem Freitag im Juli und August
- Kundgebungen vor großen Hotelanlagen, von denen einige bereits angelaufen sind — etwa vor dem RIU Palace und dem Barceló Royal Hideaway Corales Suites
Forderung nach politischer Vermittlung
Der Gewerkschaftsverband der Kanarischen Inseln hat den Präsidenten der Regionalregierung sowie den Tourismus- und Arbeitsminister erneut dazu aufgerufen, als Vermittler einzugreifen, um die Verhandlungen zu entblockieren und eine Einigung zu ermöglichen.
Die Gewerkschaften betonen, dass die Beschäftigten nach dem landesweiten Generalstreik in der Osterwoche erwarten, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung im Tourismussektor endlich auch in besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen niederschlägt – insbesondere nach Jahren sinkender Reallöhne.






